Projektpriorisierung – Eine Übung für mehr Klarheit und innere Ordnung

Eine Übung für mehr Klarheit und innere Ordnung

Diese Übung ist einfach. Und sie ist kraftvoll.

Nicht, weil sie kompliziert ist – sondern weil sie ehrlich ist.

Worum es geht

Um Priorisierung.
Um innere Klarheit.
Und um den Mut, nicht alles weiterzutragen, nur weil man es einmal begonnen hat.

Klarheit entsteht, wenn du hinschaust. Darauf, mit welchen Projekten du dich gerade beschäftigst – und auch darauf, ob offene Gestalten dabei sind, die dir noch Energie rauben.

Als offene Gestalten bezeichnet man Aufgaben, Projekte und Vorhaben, die noch nicht abgeschlossen sind – oder Ideen, die vielleicht schon lange darauf warten, umgesetzt zu werden. Sie beschäftigen uns innerlich weiter, auch wenn wir gerade nicht aktiv an ihnen arbeiten. Und sie können viel Energie rauben.

Diese Übung hilft dir, genau hier Ordnung zu schaffen.

Die Übung

Nimm dir nun einen Moment Zeit. Papier, Stift – und die Bereitschaft, ehrlich zu sein. Es geht nicht darum, alles richtig zu machen. Sondern darum, dir selbst klar zu begegnen.

1. Sammeln

Liste alle Projekte auf, in die du derzeit Zeit investierst. Nicht nur in Form von Handlungen, sondern auch gedanklich. Groß oder klein spielt keine Rolle. Beruflich, privat, innerlich – alles gehört auf diese Liste.

Wichtig: In diesem Schritt geht es nur ums Sammeln – nicht ums Bewerten, Einordnen oder Entscheiden.

Die folgende Liste ist bewusst breit. Nimm einfach das auf, was dich anspricht.

Beispiele für Projekte können sein:

  • deine Arbeit insgesamt oder ein konkretes berufliches Projekt
  • ein Nebenprojekt (z. B. ein Nebenjob, eine nebenberufliche Selbstständigkeit)
  • eine Fort- oder Weiterbildung (geplant oder bereits in Umsetzung)
  • eine Idee oder ein Vorhaben
  • organisatorische Aufgaben (z. B. Steuern, Ablage, E-Mails, Bürokratie)
  • ein Ehrenamt oder eine Vereinsarbeit
  • eine Beziehung (partnerschaftlich oder freundschaftlich)
  • eine Rolle, die du übernommen hast (im Beruf, in der Familie, im Freundeskreis)
  • eine Verpflichtung oder Zusage, die du einmal eingegangen bist
  • ein Konflikt oder ein klärendes Gespräch, welches ansteht oder endlich einmal geführt werden sollte
  • eine anstehende Entscheidung
  • ein persönliches Entwicklungs- oder Veränderungsvorhaben

Zusätzlich können auch laufende Aufgaben dazugehören, zum Beispiel:

  • Haushalts- und Alltagsorganisation (einkaufen, putzen, kochen, planen)
  • Care-Arbeit (Kinder, Angehörige, emotionale Begleitung (Pflege, Unterstützung) anderer)
  • gesundheitsbezogene Routinen (Termine, Behandlungen, Training, Rehabilitation)
  • Verwaltung finanzieller Angelegenheiten (Zahlungen, Budget, Verträge, Versicherungen)
  • Schriftliche und digitale Kommunikation (E-Mail, Messengerdienste)
  • Pflege sozialer Kontakte (Familie, Freundeskreis, Netzwerke)
  • Medien- und Informationskonsum (Nachrichten, Streaming, Videos, Podcasts, Hörbücher)
  • Social-Media-Konsum oder -Gestaltung
  • digitale Pflege (Dateien, Fotos, Backups, Geräte, Updates)
  • Planung und Koordination von Terminen (eigene und fremde)
  • emotionale Selbstregulation (nachdenken, verarbeiten, inneres Klären)
  • Erholung und Regeneration

2. Projekte wahrnehmen & energetisch einordnen

Gehe deine Liste nun Punkt für Punkt durch und spüre jeweils einen Moment in dich hinein.

Frage dich bei jedem Projekt:

  • Wie fühlt sich der Gedanke an dieses Projekt in meinem Körper an?
  • Wird es eher weit oder eher eng?
  • Gibt mir dieses Projekt Energie – oder kostet es mich Kraft?

Es geht nicht darum, diese Wahrnehmung zu bewerten, zu analysieren oder zu erklären. Nur darum, sie bewusst wahrzunehmen.

Anschließend kannst du deine Projekte grob einteilen in:

  • Projekte, die dir Energie geben
  • Projekte, die dir Energie rauben

3. Was dir Energie gibt

Markiere alle Projekte,

  • die sich leicht anfühlen
  • die Freude machen
  • bei denen du spürst, dass sie dich nähren

Typische Beispiele:

  • kreative Arbeit
  • Herzensprojekte
  • Gespräche oder Tätigkeiten, nach denen du dich lebendiger fühlst
  • Projekte, bei denen du die Zeit vergisst

Das sind Projekte, in die du Energie investierst, und dabei zugleich Energie zurückbekommst.

4. Was dir Energie nimmt

Markiere nun alle Projekte,

  • die sich schwer anfühlen
  • die Druck erzeugen
  • die dich innerlich eher anspannen als weiten
  • bei denen du das Gefühl hast, dass sie dir mehr Energie nehmen, als sie dir geben

Hier findest du oft:

  • alte Verpflichtungen
  • unerledigte Vorhaben (offene Gestalten)
  • Projekte, die aus Pflichtgefühl entstanden sind
  • Dinge, die einmal Sinn hatten, heute aber nicht mehr stimmig sind

Es geht nicht darum, all diese Projekte zwingend zu beenden. Aber vielleicht sollten zumindest manche neu entschieden, klar begrenzt oder anders organisiert werden.

5. Der gesunde Widerstand

Unterscheide jetzt noch einmal genauer.

Markiere die Projekte, bei denen du einen gesunden Widerstand spürst.

Das sind Projekte,

  • die nicht unbedingt Freude machen
  • die Disziplin erfordern
  • aber einen klaren Zweck erfüllen

Beispiele können sein:

  • Buchhaltung
  • Organisation
  • Vorbereitung
  • Strukturarbeit

Sie unterstützen meist die Projekte, die du liebst. Sie sind kein Energieräuber, sondern ein notwendiger Teil des Ganzen.

6. Neu ausrichten

Betrachte nun deine Markierungen.

Frage dich:

  • Welche Projekte verdienen mehr von meiner Zeit und Energie?
  • Welche rauben mir Energie, ohne mir wirklich zu dienen?
  • Welche trage ich nur noch aus Gewohnheit, Pflichtgefühl oder Angst?

Es geht nicht darum, alles loszulassen. Sondern darum, bewusst zu wählen.

Möglicherweise ist es an der Zeit, einige der Druck erzeugenden und nicht dienlichen Projekte aufzugeben, um den Projekten, die dich begeistern, mehr Raum, Zeit und Energie zu geben.

Und vielleicht ist es auch an der Zeit, manche Aufgaben nicht mehr selbst zu tragen.

Frage dich ehrlich:

  • Muss wirklich ich das tun?
  • Kann ich etwas delegieren, vereinfachen oder abgeben?

Delegation ist kein Versagen. Sie ist ein Zeichen von Klarheit.

Gleichzeitig geht es darum, eine gesunde Beziehung zu den Projekten aufzubauen, bei denen du einen gesunden Widerstand verspürst. Sie unterstützen deine Lieblingsprojekte – im Unterschied zu überflüssigen Zeit- und Energiedieben.

7. Verbindlichkeit

Schreibe zum Abschluss auf,

  • welche Projekte du bewusst beendest oder pausierst
    (auch wenn sie dir einmal sehr wichtig oder dienlich waren)
  • welche du klar priorisierst
  • wo du künftig Grenzen setzt
  • welche Aufgaben du delegierst oder abgibst

Mach es konkret. Mach es verbindlich. Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstfürsorge und zu einer klareren Verbindung mit dir selbst.

Nicht alles, was begonnen wurde, muss weitergetragen werden. Welches Projekt gilt es endlich abzuschließen?